ADR-Blog (Germany)

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Das Web-Tagebuch rund um Mediation, Konfliktmanagement & Co.
Updated: 1 hour 43 min ago

Mediatoren, wacht auf!

Wed, 2010-09-01 07:49

Vor einem Monat hat das Bundesministerium den langerwarteten Referentenentwurf eines Mediationsgesetzes veröffentlicht (siehe dazu hier). Ungewöhnlich schnell haben viele Mediationsverbände auf die Veröffentlichung reagiert, in dem die Vereinsmitglieder per E-Mail zeitnah auf den Referentenentwurf aufmerksam gemacht wurden. Respekt, das war nicht immer so! (obschon die Information der eigenen Mitglieder eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte).

Bis zum 02. Oktober haben die Verbände Gelegenheit für eine Stellungnahme. Die Hälfte der Zeit ist also schon abgelaufen. Und was ist bisher passiert? Für meinen Geschmack zu wenig! Zwar wird in einigen Blogs und Foren munter über das Für und Wider diskutiert, aber von den Mediationsvereinen ist mir kein einziger Aufruf zur aktiven Mitarbeit an einer Stellungnahme bekannt. Mir ist zudem kein Entwurf einer Stellungnahme bekannt, der den Vereinsmitgliedern oder wenigstens einem bestimmten Ausschuss zur Kommentierung vorgelegt wurde.

Ein lebendiger und aktiver Mediationsverein sollte seine Mitglieder einbeziehen. Stellungnahmen, die allein von Vorständen in Hinterzimmern erarbeitet werden, können aus meiner Sicht nicht die Meinung der Mehrheit der Mediatoren wiederspiegeln. Haben die Vorstände der Mediationsvereine Angst vor den Stellungnahmen und Interessen ihrer eigenen Mitglieder? Ist die Beteiligung der Mitglieder nicht eine Chance für die Vereinskultur?

Bis zum 02. Oktober bleibt noch Zeit das Blatt zu wenden. Alle Möglichkeiten der Einflussnahme auf das zukünftige Mediationsgesetz müssen genutzt werden. Mediatoren, wacht auf!

Konsens e.V. unterstützt Konfliktmanagement-Kongress 2010

Fri, 2010-08-13 05:59

Auch in diesem Jahr unterstützt Konsens e.V. - Verein zur Förderung der Mediation in Niedersachsen den Konfliktmanagement-Kongress 2010. Er wird vom Niedersächsischen Justizministerium organisiert und findet am 11. September 2010 im Landgericht Hannover statt. Der KM-Kongress ist mittlerweile ein Pflichttermin für viele Mediatoren in Deutschland. Den Reiz der Veranstaltung macht das attraktive Veranstaltungsprogramm, die ungezwungene Atmosphäre und ein moderater Preis von 40 € bzw. 60 € aus.

In diesem Jahr haben sich die Veranstalter um Justizminister Bernd Busemann das besonders interessante Thema “Mediation und Markt” ausgesucht. Der Fokus der Veranstaltung wird damit endlich auf die freiberufliche Mediation und nicht auf die gerichtliche Mediation gelegt. Wenn Mediation sich weiter in Deutschland entwickeln soll, muss insbesondere die außergerichtliche Mediation gefördert werden. Insofern ist es gut, dass es im Kongress darum geht, wie die Menschen in Kontakt mit der Mediation gebracht werden können.

Es werden für die Teilnehmer viele interessante Foren angeboten. Beispielsweise “Erfolgreich den Markt erobern! - von der Analyse zur Strategie” oder “Das Geheimnis (I)ihres Erfolges!” - Mit Mediation am Markt erfolgreich sein”. Selbstverständlich wird auch über den Referentenentwurf eines Mediationsgesetztes diskutiert. Im Forum “Bundesmediationsgesetz: Gesetzgeberische Spielräume zur Förderung der außergerichtlichen Mediation” wird über den Stand des Gesetzgebungsverfahrens informiert und die internationalen Erfahrungen anderer Staaten berücksichtigt.

Es scheint also ein spannender Konfliktmanagement-Kongress 2010 zu werden. Vielleicht sieht man sich ja, ich würde mich freuen!

Bundesjustizministerium veröffentlicht Referentenentwurf zur Mediation

Thu, 2010-08-05 14:57

Das Bundesministerium der Justiz hat heute den Referentenentwurf eines Mediationsgesetzes veröffentlicht! Nun gilt es die Details zu lesen. Die Verbände können bis zum 01. Oktober 2010 Stellung nehmen. Die Zeit sollte von allen Mediatoren zur Diskussion genutzt werden, damit die Mediationsverbände die Meinung der Mitglieder in ihre Stellungnahme einfliessen lassen können.

D einfliessen lasen können.er Referentenentwurf sieht neben Regeln zur Neutralität und Unabhängigkeit der Mediatorinnen und Mediatoren unter anderem vor, dass Mediationsvereinbarungen künftig leichter vollstreckt werden können. Zudem soll eine Verschwiegenheitspflicht für alle Mediatoren eingeführt werden. Aus einer solchen Verschwiegenheitspflicht folgt ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Zivilprozessordnung und allen auf sie verweisenden Verfahrensordnungen. Dadurch kann die Vertraulichkeit der Mediation geschützt werden. Der Referentenentwurf sieht neben Regeln zur Neutralität und Unabhängigkeit der Mediatorinnen und Mediatoren unter anderem vor, dass Mediationsvereinbarungen künftig leichter vollstreckt werden können. Zudem soll eine Verschwiegenheitspflicht für alle Mediatoren eingeführt werden. Aus einer solchen Verschwiegenheitspflicht folgt ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Zivilprozessordnung und allen auf sie verweisenden Verfahrensordnungen. Dadurch kann die Vertraulichkeit der Mediation geschützt werden.

BMWA erweitert Serviceleistung für Mitglieder

Fri, 2010-07-23 02:31

Der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt e.V. (BMWA) reagiert auf die in der letzten Mitgliederversammlung (Lesen Sie dazu hier) geäußerten Wünsche der Mitglieder. Ab sofort können die Mitglieder des BMWA die Zeitschrift “Spektrum der Mediation” beziehen. Der BMWA übernimmt als erweiterte Serviceleistung die Kosten und den Versand der Mediationszeitschrift.

Eigentlich ist die Zeitschrift “Spektrum der Mediation” die Mitgliederzeitschrift des Bundesverband Mediation e.V. (BM). Da der BMWA keine eigene Mitgliederzeitschrift hat, bot es sich an, mittels einer Vereinbarung zwischen BM und BMWA den Mediatoren des BMWA diesen neuen Service anzubieten. 

RTL-Mediator Ernst Andreas Kolb im Interview mit der DGM

Wed, 2010-07-21 04:05

Im vergangenen Sommer wurde Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb einem Millionenpublikum in der fünfteilen RTL-Sendung “Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein” bekannt. In der Sendung ging es um nachbarschaftliche Konflikte und den Versuch, diese mithilfe von Mediationen beizulegen. Das RTL-TV-Format spaltete die Mediatorenszene. Die einen freuten sich über die Publicity, die anderen kritisierten, dass die Grundprinzipien der Mediation in der Sendung nicht eingehalten wurden. Die Deutsche Gesellschaft für Mediation e.V. (DGM) hat in diesem lesenswerten Interview für den DGM-Newsletter den Hauptprotagonisten der Sendung, Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb, befragt, wie er im Rückblick seine Arbeit bei RTL bewertet.

Im Interview erfahren Sie, wie es dazu kam, dass der Kollege Kolb Moderator der Sendung wurde, wie es zum unglücklichen Titel “Kolb greift ein” kam und wie sich Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb trotz der Zwänge des TV-Geschäfts stetig dafür einsetzte, dass das Wesen der Mediation bewahrt bleibt.

Es ist aus meiner Sicht ein sehr ehrliches Interview. Der Leser spürt, in welcher nicht leichten Situation Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb im letzten Sommer bei den Dreharbeiten war. Vor diesem Hintergrund ist es auch sehr anerkennenswert, dass Ernst Andres Kolb für sich die freiwillige Entscheidung getroffen hat, nicht weiter für das TV-Format zur Verfügung zu stehen, solange unter erhöhtem Zeitdruck und unter Missachtung fachlicher Grundsätze zugunsten der Dramaturgie gearbeitet wird.

Viel Freude beim Lesen des Interviews im DGM-Newsletter!

Warten auf Referentenentwurf eines Mediationsgesetzes

Mon, 2010-07-19 09:20

Wie ich heute morgen schon in einem Tweet verkündet habe, wird heute der Referentenentwurf eines Mediationsgesetzes veröffentlicht. Dies ist auch der aktuellen Pressemitteilung des Bundesministeriums der Justiz zu entnehmen. Verschiedene andere Presseartikel wie beispielsweise der Frankfurter Rundschau oder von Spielel Online haben dieses Thema ebenfalls schon aufgegriffen.

Laut Entwurf soll in einer Klageschrift in Zukunft angegeben werden, ob eine Mediation vorausgegangen ist. Einigungen innerhalb einer Mediation sollen auf Antrag der Parteien für vollstreckbar erklärt werden. Zudem sollen Gerichte verstärkt eine Mediation vorschlagen können.

Alles sicher interessante Punkte, die eine außergerichtliche Mediation fördern können. Aber um intensiv über den Entwurf diskutieren zu können, muss der Referentenentwurf im Wortlaut vorliegen. Insofern heisst es leider weiter warten… .

RTL spricht nicht mehr vom Mediator und Mediation!

Fri, 2010-07-16 05:15

Vorgestern wurde die zweite Staffel der Sendung “Nachbarschaftsstreit” von RTL ausgestrahlt. Vom Konzept hat sich mach meiner Auffassung im Vergleich zur ersten Staffel nicht viel verändert. In klassischer RTL-Manier werden quotenträchtig Streithähne in Szene gestellt, deren Konflikte nun mit Hilfe eines Rechtsanwalts und Streitschlichters gelöst werden sollen. Neu ist nur Rechtsanwalt Franz Obst, der den Kollegen Ernst Andreas Kolb ersetzt.

Wenn man sich die Quote anschaut, und diese ist für RTL natürlich besonders wichtig, war die erste Folge der zweiten Staffel ein Erfolg. Mit 1,78 Millionen 14- bis 49-jährigen Zuschauern holte der “Nachbarschaftsstreit” am Mittwoch um 20:15 Uhr einen sehr starken Marktanteil von 19,4 Prozent in der Zielgruppe. Insgesamt schauten 3,08 Millionen Zuschauer zu, beim Gesamtpublikum entsprach das ordentlichen 13,0 Prozent Marktanteil. Dies ist sicher ein ordentlicher Erfolg für RTL. Spannend wird es sein, ob RTL diesen Anteil halten kann. Ich vermute, nach der Fußballweltmeisterschaft freuten sich viele Fernsehzuschauer einfach, mal etwas anderes zuschauen.

Aus Mediatorensicht hat sich ein Punkt in der zweiten Staffel entscheidend geändert. Während Ernst Andreas Kolb sich noch den Konfliktparteien als Rechtsanwalt und Mediator vorstellte, präsentiert sich Franz Obst als Rechtsanwalt und Streitschlichter. Auch in der Sendung wird nicht mehr von Mediation gesprochen, sondern nur noch von Streitschlichtung. Ich könnte mir vorstellen, dass dies manchen Mediator gefallen wird, schließlich war ein teils berechtigter Vorwurf der Kritiker dieser Sendung, es handele sich gar nicht um eine Mediation. Ich finde es sehr bedauerlich, dass nicht mehr von Mediation und dem Mediator gesprochen wird. Über 3 Millionen Zuschauer werden somit nicht mehr mit diesen Begriffen konfrontiert. Und darum geht es uns Mediatoren doch seit vielen Jahren. Wir wollen Begriffe wie Mediation und Mediator unter das Volk bringen. Eine gute Werbeplattform geht uns damit verloren!

Hätte RTL weiterhin von Mediation gesprochen, hätte man sicher wieder viel diskutieren können, ob die Grundsätze der Mediation beachtet wurden. Eine Mediation in Reinform war es bestimmt nicht, die uns da präsentiert wurde. Aber seien wir ehrlich, die Mediation aus dem Lehrbuch findet man auch nicht immer in der Realität praktizierender Mediatoren. Die Mediatoren passen sich, soweit die Grundsätze der Mediation nicht verletzt werden, den Verfahrensinteressen der Medianden an. Insofern darf sich auch Streitschlichter Franz Obst den Streitparteien anpassen. Kritisch wird es dann, wenn sich Franz Obst allein der Quote und dem Diktat von RTL beugt.

Eine Dokusoap ist einfach keine Sendung, in der Fachwissen vermittelt werden soll. Die Leute schauen sich solch eine Dokusoap an, weil sie Entspannung und Unterhaltung suchen. Reine Wissensvermittlung ist da Fehl am Platz. Davon kann jede Volkshochschule ein Lied von singen. Sie bieten tolle Angebote, aber nur sehr wenige Personen melden sich an. Das ist die Realtität. Vielleicht sollten wir uns da schon freuen, wenn in der Dokusoap Nachbarschaftsstreit Punkte angesprochen werden, die jeder aus seiner Mediatorenausbildung kennt. Und machen wir uns nichts vor, die gibt es, bei aller Kritik zur typischen reißerischen Aufmachung von RTL.

Streitschlichter Obst verdeutlicht dem Zuschauer am Whiteboard, dass es bei Konflikten eine Sachebene und eine Beziehungsebene gibt. Das ist doch schon etwas, oder? Und wer hat Sie nicht erkannt, die “Wunschfrage”, als sich die Konfliktbeteiligten gemeinsam trafen? Klar würde ein Mediator mit dieser Frage keine Mediation beginnen, sondern Sie in einer anderen Mediationsphase unterbringen. Aber die Frage kann Teil einer Mediation sein. Und in einer Fernsehsendung kann man nur Ausschnitte der Vermittlung zeigen. Zudem sagten die Beteiligten, dass sie lernten, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen. Das ist doch ein klassisches Ziel einer jeder Mediation. Klar wurden nicht genau die Interessen und Bedürfnisse aufgeschlüsselt. Zudem war Streitschlichter Franz Obst eher ein aktiver Vermittler, der mit eigenen Vorschlägen versuchte eine Lösung zu finden. Aber machen wir uns nichts vor, dass kann in jeder Mediation vorkommen. Es sollte bloß deutlich werden, dass dies eine Ausnahme ist. Die Konfliktparteien lösen in einer Mediation grundsätzlich selbstbestimmt den Konfikt.

Sicherlich würde ich mich freuen, wenn noch stärker das Phasenmodell zum Vorschein kommt. Es mehr von Positionen zu Interessen geht. Aber das erwartet ein Zuschauer nicht in einer Dokusoap. Es ist die Aufgabe von uns Mediatoren im Gespräch mit Medianden deutlich zu machen, was Fernsehschau ist und wie die Realität der Mediation aussieht. Ich befürchte alledings, dass uns auf die Sendung leider weit weniger Menschen ansprechen werden, als im letzten Sommer. Denn dort wurde noch von Mediation und vom Mediator gesprochen. Über 3 Millionen Menschen beschäftigen sich mit diesen Begriffen. Diesen kostenlosen Werbeeffekt haben wir leider nicht mehr!

Mediatorenwechsel für RTL Sendung “Nachbarschaftsstreit”

Wed, 2010-07-14 01:17

Vor einem Jahr war “Mediation in aller Munde“. RTL präsentierte als neue Dokusoap die Sendung “Kolb greift ein”. Der Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb vermittelte fernsehgerecht zwischen verfeindeten Nachbarn. Die Reaktion in der Mediationsszene war sehr geteilt. Die einen freuten sich, dass mit der Sendung der Begriff Mediation bekannter wird, die anderen kritisierten die Sendung, da nicht nach allen Standards der Mediation vorgegangen sei. Heute präsentiert uns RTL zur besten Sendezeit mit “Nachbarschaftsstreit” die abgeänderte Nachfolgesendung.

Insbesondere fällt auf, dass Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb durch den Kollegen Franz Obst ersetzt wurde. Damit wurde der bisherige Titel “Kolb greift ein” hinfällig. Nunmehr heißt es also schlicht “Nachbarschaftsstreit”. Dies ist bestimmt positiv, da der bisherige Titel für eine Mediation schlicht unpassend war.

Der neue Rechtsanwalt und Mediator Franz Obst tritt ein schweres Erbe an. Er wird sich aus fachlicher Sicht insbesondere den kritischen Blicken der Mediatoren stellen müssen. Wird Rechtsanwalt und Mediator Franz Obst den schwierigen Spagat zwischen fernsehgerechter Aufmachung und Einhaltung der Grundsätze der Mediation bewältigen?

Wir dürfen sehr gepannt sein. Heute um 20.15 Uhr wird zumindest sein erster Fall auf RTL gesendet. Es geht um einen Generationenstreit zwischen einer alleinerziehenden Mutter und Rentnern. Mal schauen, ob hier wirklich mediiert wird.

Arbeitskreis im Ministerium der Justiz einigt sich auf Zertifizierungsstandards für Mediatoren

Wed, 2010-06-02 06:59

Im Blog des Vereins Integrierte Mediation e.V. hat der Kollege Arthur Trossen die Standards für die Zertifizierung von Mediatoren veröffentlich, die der Arbeitskreis des Bundesministerium der Justiz am 20. Mai 2010 beschlossen hat. Auch erste kritische Kommentare finden Sie in diesem Weblog.

Die Standards sollen demnach folgenden Wortlaut haben:

A. Grundqualifikationen
  • Abgeschlossenes Hochschul- oder Fachhochschulstudium oder mehrjährige Berufstätigkeit
B. Ausbildungsinhalte

I. Einführung und Grundlagen der Mediation

Gewichtung: 15 %

1. Definition

2. Grundlagen der Mediation

  • Überblick zu Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation
  • Überblick zu Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation

3. Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren

4. Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation

II. Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation

Gewichtung: 25 %

1. Einzelheiten zu den Phasen der Mediation

  • Mediationsvertrag
  • Stoffsammlung
  • Interessenerforschung
  • Sammlung und Bewertung von Optionen
  • Abschlussvereinbarung

2. Besonderheiten unterschiedlicher Settings In der Mediation

  • Einzelgespräche
  • Co-rreammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation
  • Einbeziehung Dritter (z.B. Kinder, Steuerberater, Gutachter)

3. Weitere Rahmenbedingungen

  • Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren
  • Dokumentation/Protokollführung

I. Verhandlungstechniken und -kompetenz

Gewichtung: 10 %

Grundlagen der Verhandlungsanalyse

  • Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: Intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept, integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken

IV. Gesprächsführung, Kommunikationstechniken

Gewichtung: 15%

  • Grundlagen der Kommunikation
  • Kommunikationstechniken: aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation
  • Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)
  • Visualisierungs- und Moderationstechniken
  • Umgang mit schwierigen Situationen (z.B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)

V. Konfliktkompetenz

Gewichtung: 10 %

  • -Konfiikttheorie (Konfiiktfakten, Konfliktdynamik und Konfiiktanalyse; Eskalationsstufen; Konfiikttypen)
  • Erkennen von Konfliktdynamiken
  • Interventionstechniken

VI. Recht der Mediation

Gewichtung: 5 %

  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediationsvertrag, Berufsrecht,Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung
  • Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs
  • Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes

VII. Recht in der Mediation, Ermöglichung einer rechtlich informierten Entscheidung bei rechtlich relevanten Sachverhalten

Gewichtung: 10 %

  • Rolle des Rechts in der Mediation
  • Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediater
  • Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts
  • Rechtzeitige Empfehlung an die Medianten, in rechtlich reievanten Fällen externe rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen
  • Mitwirkung von Rechtsanwälten in der Mediation selbst
  • Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung
  • Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung

VIII. Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis

Gewichtung: 10 %

  • Rollendefinition , Rollenkonfiikte
  • Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators
  • Mediation als Haltung, insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung
  • Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianten und zum Konflikt
  • Macht und Fairness in der Mediation
  • Umgang mit eigenen Gefühlen
  • Selbstreflexion
  • Vernetzung

IX. Praxis und Supervision I Intervision in der Ausbildung

  • Rollenspiele mit Feedback und Analyse
  • Infonmation über die Bedeutung von Supervision
C. Abschluss der Ausbildung

Abschlusskolloquiurn, in dem u.a. die Inhalte der Ausbildung und der dabei gemachten Erfahrungen reflektiert werden

  • Abschlussprüfung und Falldokumentationen können vorgesehen werden
D. Praktische Erfahrung und Nachweis von Fällen
  • Selbstverpfiichtung der zu zertifizierenden Mediatoren, praktische Erfahrungen in eigenen Mediationsfällen zu erwerben, sofern sie nicht bereits über solche Erfahrungen verfügen Selbstverpfiichtung der zu zertifizierenden Mediatoren, praktische Erfahrungen im Rahmen von Supervision, Inter- oder Covision zu erörtern
E. Fortbildung
  • Selbstverpflichtung der zu zertifizierenden Mediatoren zu regelmäßiger Fortbildung

Aus meiner Sicht ist es als ein sehr großer Fortschritt zu bewerten, dass es im Arbeitskreis überhaupt zu einer Einigung gekommen ist. Vor einem Jahr hätte das wahrscheinlich nach all den Konflikten unter den Mediatoren niemand für möglich gehalten. Insofern dürfen die Mitglieder des Arbeitskreises ein wenig Stolz auf ihre Arbeit sein. Sie kann Grundlage für weitere Verständigungen sein.

Mit diesen Standards bekommen zudem Interessierte für Mediationsausbildungen einen guten Anhaltspunkt, auf welche Inhalte und Gewichtungen zu achten sind.

Was halten Sie von den Standards? Glauben Sie, dass sich die Standards auf dem Mediationsmarkt durchsetzen werden? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!

Neue Verordnung bürdet Mediatoren Informationspflichten auf!

Sat, 2010-05-29 08:44

Bieten Sie Mediation als Dienstleistung an? Kommen Sie vor jedem Mediationsauftrag Ihren neuen Informationspflichten nach? Ansonsten droht ein Bußgeld oder die Abmahnung.

Ab dem 17. Mai 2010 gelten umfangreiche Informationspflichten für Dienstleistungserbringer. Die Dienstleistungs-Informationspflichten-Verordnung (DL-InfoVo) muss ab 17. März 2010 beachtet werden. Europa bürdet uns aufgrund der EU-Dienstleistungsrichtlinie die neuen bürokratischen Pflichten auf. Die Rechtsverordnung richtet sich an sämtliche Dienstleistungserbringer und findet daher grundsätzlich auch auf Mediatoren Anwendung. Die neuen Informationspflichten mussen vor der Annahme eines Mediationsauftrages erfüllt sein. Viele der vorgegebenen Informationspflichten ergeben sich bereits aus § 5 des Telemediengesetzes. Wer diese schon jetzt erfüllt, muss aber weitere hinzufügen.

Die DL-InfoV unterscheidet zwischen Informationen die dem Mandanten stets zur Verfügung zu stellen sind und solchen, die erst auf eine entsprechende Anfrage hin anzugeben sind. Mediatioren, die die erforderlichen Informationen nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellen, droht neben dem Bußgeld bis zu einer Höhe von 1.000 Euro zusätzlich auch eine Abmahnung. Insofern sollte schnell gehandelt werden!

Der Bundesverband der Freien Berufe stellt dieses Informationsblatt zur Verfügung. Lesenswert ist auch der im Anwaltsblatt veröffentlichte Beitrag “Europas neuester Streich: Informationspflichten für Anwälte” vom Kollegen Rechtsanwalt P. Schons.

Lobend erwähnen möchte ich den Deutschen Anwaltverein, der seine Mitglieder schon frühzeitig und umfassend über die neue Verordnung informierte. Aus meiner Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn auch die Mediationsvereine ihr Mitglieder über neue Gesetze und Verordnungen informieren, die einen Bezug zum Tätigkeitsgebiet der Mediation haben. Soweit ich informiert bin, ist dies bzgl. der DL-InfoV noch nicht passiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!